Klimawandel und Luftverschmutzung sind brisante und wichtige Themen unserer Zeit. Die hierdurch gestellten Herausforderungen können nur durch ein Paket kombinierter Maßnahmen gemeistert werden. Österreich spielt diesbezüglich bei der Verkehrsbeeinflussung eine Vorreiterrolle.
Wie an vielen anderen Orten wurde im Jahr 2006 auch in Tirol der zulässige Grenzwert gemäß Immissionsschutzgesetz-Luft (kurz IG-L) für das Jahresmittel NO2 an mehreren Stellen überschritten. Dies machte entsprechende Maßnahmen erforderlich, zu denen auch ein Tempolimit gehört. Um im Sinne des Verkehrsteilnehmers ein dauerhaftes Tempolimit zu vermeiden, wurde ein Verfahren entwickelt, dass auf Basis von Messstellen für Verkehr und Luftschadstoffe die Notwendigkeit für ein Tempolimit dynamisch ermittelt.
Heusch/Boesefeldt hat das Verfahren für die ASFINAG implementiert und als zusätzlichen Steuerungsalgorithmus in die Tiroler Unterzentrale des VMIS (Verkehrsmanagement- und -informationssystem) integriert.
Die Inbetriebnahme des Algorithmus erfolgte in Tirol rechtzeitig für den Winter 2007/2008 zum 1. November 2007.
Erste Ergebnisse des dynamischen Tempolimits wurden bereits durch die Tiroler Landesregierung veröffentlicht, siehe dazu www.tirol.gv.at/themen/verkehr/verkehrsplanung/verkehrsprojekte/dynamischestempo100/.
Um das Reduktionspotenzial zu verdeutlichen, nachfolgend einige Zitate dieses Berichts:
"Der Stickoxidausstoß sank beim Pkw-Verkehr um -23% (das sind ca. 82 Tonnen), die Feinstaubemissionen bei den Abgasen sogar um -27% (das entspricht einer Reduktion um -3,4 Tonnen PM10).
Auch bei der Immission, das heißt bei der gemessenen Luftqualität, konnten Erfolge erzielt werden. Ohne das Tempo 100 in diesem Winterhalbjahr wäre die Belastung um 4,5 µg/m³ NO2 höher gewesen, als tatsächlich gemessen wurde. Das entspricht einer Reduktion um -6%. Durch diese Reduktion konnten somit durch das Tempolimit im vorigen Winter die Jahreszuwächse der letzten beiden Jahre aufgefangen werden."
Erfreulich ist zudem ein positiver Nebeneffekt in Punkto Verkehrssicherheit: gegenüber dem Mittelwert bei der Unfallreduktion in Österreich von 20 % sank auf dem Abschnitt zwischen Kufstein und Zirl West die Zahl der Unfälle mit Personenschaden sogar um 61%.
Eine weitere Anlage in Oberösterreich, die speziell für das dynamische Tempolimit zur Immisionsreduktion errichtet wurde, befindet sich zurzeit im Probebetrieb. Für 2008 ist die Fertigstellung weiterer Beeinflussungsanlagen mit immissionsabhängiger Geschwindigkeitsregelung geplant. Die Systeme sind in Österreich auch unter dem Namen "VBA Umwelt" bekannt.

